Ein mutmaßliches Autograf Napoleons I. aus dem Jahre 1815

Napoleons „Lettre de Reddition“ unter dem Mikroskop

Anfang des Jahres 2021 wurde das FELMI-ZFE-Graz vom Steiermärkischen Landesarchiv mit der Bitte um unterstützende Untersuchungen an einem mutmaßlichen Autograf Napoleons I. – die sog. Lettre de Reddition – aus dem Jahre 1815 kontaktiert. Da das Blatt in einen Bucheinband eingeklebt war, sollten vorerst am Schreib- und Beschreibstoff berührungslose Prüftechnologien angewendet werden, um eine allfällige Authentizität des Stückes zu belegen.

IFM

Weiterführend zu einem bereits angefertigten hoch aufgelösten Digitalisat wurden das mutmaßliche Napoleon-Autograf sowie einige weitere Referenzproben mittels eines hochauflösenden 3D-Lichtmikroskops (IFM – Infinite Focus Microscope) hinsichtlich der Struktur und mittels Raman-Spektroskopie hinsichtlich der chemischen Zusammensetzung der Tinten bzw. Druckfarben untersucht.

RAMAN

Untersucht wurden die Farben bzw. Tinten der „Lettre de reddition“ sowie der beiden zeitgenössischen Referenzstücke (Vergleichsstück aus dem Familienarchiv
der Grafen von Wickenburg und ein Lithodruck). Das Ramanspektrum ist für alle drei Schriftstücke durch das Farbpigment Ruß dominiert, wobei die Ruß-Kristallinität eher jener des Lithodrucks entspricht. Da allerdings Ruß-Pigmente, die für Tinten verwendet werden, im 19. Jahrhundert vermutlich nicht bezüglich ihrer Kristallinität normiert waren, lässt sich daraus leider keine eindeutige Aussage treffen, ob es sich beim Schreibstoff der vorliegenden Probe um Tinte oder um Druckerschwärze handelt.